Neue FINA-Regeln: Interessante Ansätze

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Die FINA will Wasserball attraktiver machen und unterzieht deshalb in verschiedenen Ländern Vorschläge für Regeländerungen einem Praxistest. Der SC Kreuzlingen empfing am Mittwoch, 21. Mai 2014, den SC Horgen zu einem Testspiel auf verkleinertem Feld, zu einem Testspiel mit nur 5 Feldspielern und einem kleineren Ball. Das Schlussresultat von 16:15 für den Gastgeber war dabei nebensächlich – interessanter sind die ersten Schlüsse, die Spieler, Coaches, Referees und Zuschauer zogen.

Der LEN-Delegierte, Mitglied der technischen Kommission, betonte bei der Einführung der Schiedsrichter, welche dieses Testspiel zu Ausbildungszecken nutzten, dass ihm wie auch der FINA die Meinung von Nationen wie der Schweiz enorm wichtig sind. Denn nicht nur die europäischen und weltweiten Topnationen sollen bestimmen, wie es mit dem Wasserballsport weitergehen soll.

Zu viele Fouls und Ausschlüsse

Mit durchschnittlich 85 meist taktischen Fouls pro Spiel und rund 20 Prozent der Spielzeit, während welcher ein Team in Unterzahl spielt, ist Wasserball für die FINA nicht mehr attraktiv genug. Das Spiel müsse wieder einfacher zu verstehen sein, mehr Aktionen vor dem Tor statt Fouls an der Seitenlinie zeigen und auch mehr Abschlussszenen generieren, so die Zielsetzung des Weltverbandes.

Von zahlreichen Ideen für Regelanpassungen wurden drei ausgewählt, die nun in 15 europäischen Ländern getestet und evaluiert werden:

  • Das Spielfeld ist weniger lang, um die Überbrückungszeit zwischen Angriffsauslösung und der eigentlichen Angriffsaufstellung vor dem Tor zu verkürzen.
  • Nur noch 5 statt 6 Feldspieler ergeben mehr Platz vor dem Tor, aber auch mehr 1:1-Situationen, verstärken das Spiel auf den Center und die Möglichkeiten individueller Aktionen.
  • Der kleinere Ball (Damenball) vereinfacht das Handling und vermindert Ballverluste durch technische Fehler.

Gute Ansätze, aber gewöhnungsbedürftig

Als Zuschauer sieht man schnell die Vorteile der neuen Regeln: schnelleres Spiel, mehr Torszenen, mehr Tore. Etwas differenzierter sehen dies natürlich die Spieler, die wohl Vorteile erkennen, aber noch etwas verunsichert sind. Nicht zuletzt auch, weil die Schiedsrichter im Testspiel nicht jedes gesuchte Foul pfiffen, sondern (erfolgreich) versuchten, den Spielfluss hoch zu halten.

Den Coaches würden sich mit den neuen Regeln neue Herausforderungen stellen, die Taktik müsste überdacht und angepasst werden, denn vielversprechend wäre eventuell auch ein Spiel mit zwei Centerspielern.

Und für eine Nation wie die Schweiz würden sich weitere Auswirkungen ergeben: Die Kader könnten voraussichtlich um einen Spieler reduziert werden, was beim beschränkten Potential an Spielern in den Clubs und in den Auswahlmannschaften ein Vorteil sein könnte. Aber auch dem Zweikampfverhalten käme grössere Bedeutung zu, was für Headcoach der Schweizer Herren, Uwe Sterzik, und sein Team eine zusätzliche Herausforderung bedeuten würde.

Man darf gespannt sein, was die Auswertung, die Ende Juli erwartet werden darf, bringt – und hoffen, dass allfällige Anpassungen nicht überschnell umgesetzt werden- Denn alle Beteiligten brauchen Zeit, um sich an diese Änderungen – auch wenn sie positiv bewertet werden – anzupassen.

(Mittwoch, 21. Mai 2014 / wb)

Read 3363 times Last modified on Dienstag, 13 Juni 2017 15:54

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