U17 hat das Minimalziel nicht erreicht

Montag, 13 Mai 2013 00:00
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„Ein Sieg gegen Bulgarien wäre Pflicht gewesen – den haben wir nicht erreicht und damit die Erwartungen klar nicht erfüllt“, fasst Werner Stohler, Teamchef des U17-Nachwuchsnationalteams, die Schweizer Leistungen am Qualifikationsturnier für die U17-Europameisterschaften 2013 in Malta kritisch zusammen. Doch lange Zeit für Enttäuschung bleibt nicht – bereits auf dem Rückflug aus der Türkei arbeitete er zusammen mit Teamcoach Janos Halapi an Ideen für eine konzeptionelle Neuausrichtung des Herrennachwuchsteams.

„Das Team war nicht mehr in der Lage, das umzusetzen, was von ihm erwartet wurde. Und dies, obwohl der Gegner schwächer war“, analysiert Stohler das Spiel gegen die Osteuropäer. Nach drei hohen Niederlagen fehlte dem Schweizer Nachwuchs im letzten Spiel des Turniers wohl nicht nur die körperliche, sondern auch vor allem die mentale Substanz. Und internationale Erfahrung – fünf Spieler absolvierten im Schweizer Team ihre ersten Einsätze auf internationaler Ebene.

Briten als Vorbild?

Das Leitungsteam ist ernüchtert. Der grosse Aufwand – und damit ist nicht nur der finanzielle angesprochen – hat sich nicht ausbezahlt. Zu gross waren die Unterschiede bezüglich Schnelligkeit, Spielverständnis, Taktik und Körperstärke. „Trainingsbedingte Defizite“, ist Werner Stohler überzeugt. Noch im letzten Jahr, so die Einschätzung des Teamchefs, war der Schweizer Nachwuchs mit Grossbritannien auf Augenhöhe. In diesem Jahr war nach zwei Vierteln und einem 0:8-Rückstand der Erfolgszug schnell abgefahren. Auf der anderen Seite vermochten die Briten den Russen lange das Wasser zu reichen und verloren erst im dritten Viertel den Anschluss.

Grossbritannien hat ein vergleichbares Konzept wie die Schweiz, arbeitet ebenfalls mit Clubtrainern auf Stufe der Auswahlmannschaften. „Doch die Nationalspieler haben die Auflage, je zwei zusätzliche Schwimm- und Krafttrainings pro Woche zu absolvieren“, beschreibt Werner Stohler den kleinen aber wesentlichen Unterschied.

Mehr Training gefordert

Und er ist überzeugt, dass auch der Schweizer Nachwuchs strenger in die Pflicht genommen werden muss: „Wasserball als Leistungssport war bisher zu billig, jeder konnte mitmachen, unabhängig des Trainingsaufwandes.“ Doch ein Potential an talentierten Spielern, die sich ohne grossen Trainingsaufwand international durchsetzen könnten, ist in der Schweiz schlichtweg nicht vorhanden.

Damit gilt auch für den Wasserballsport, was in anderen Schweizer Teamsportarten beobachtet werden kann: Erfolg muss erarbeitet werden – nur Schweizer Sportler, welche die Komfortzone verlassen und sich dem Leistungssport verpflichten, haben Chancen, auf dem höchsten Niveau mitzuspielen. Auch viele Spieler der aktuellen Schweizer Eishockeynationalmannschaft wurden im Juniorenalter über zehn Trainingseinheiten und zwei Spiele pro Woche zu dem, was sie heute sind.

Entwicklungsprozess läuft

Auch wenn die Erfolge (noch) nicht eingetroffen sind, ist der Teamchef überzeugt, dass konzeptionell bereits die richtigen Schritte eingeleitet worden sind. So haben die U17-Spieler die Möglichkeit, sich in der Promotion Waterpolo League an stärkeren Teams zu messen. Und im Frühjahr werden dem Nachwuchs im Talentcamp in Tenero während einer Woche ideale Trainingsbedingungen zur Verfügung stehen.

Mit einer Optimierung des Spielkalenders und einigen konzeptionellen Anpassungen kann der Entwicklungsprozess im Schweizer Wasserballsport damit weitergehen. Doch nur, wenn auch die Spieler sich dem Leistungssport verpflichten. Damit Auswahlteams wieder etwas Elitäres, sprich Einzigartiges, werden.

(13. Mai 2013 / wb)

 

Resultate und Rangliste der Gruppe C der U17 EM-Qualifikation in Istanbul

Russland – Grossbritannien 11:6

Türkei – Schweiz  25:1

Russland – Schweiz 28:1

Bulgarien – Grossbritannien  3:8

Grossbritannien– Schweiz 11:3

Türkei – Bulgarien  25:2

Russland – Bulgarien  29:3

Türkei – Grossbritannien 16:8

Schweiz – Bulgarien  5:11

Türkei – Russland 13:14

 

Rangliste

1. Russland 12 Punkte (82:23)

2. Türkei 9 Punkte (79:25)

3. Grossbritannien 6 Punkte (33:33)

4. Bulgarien 3 Punkte ( 19:67)

5. Schweiz 0 Punkte (10:75)

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